Standardisierte Rüstprozesse steigern die Produktivität und schaffen die Basis für eine flexible, automatisierte Einzelteilfertigung. Praxisbeispiele zeigen, wie der Einstieg erfolgreich gelingt.
Steigende Anforderungen an Qualität, Lieferzeiten und Wirtschaftlichkeit stellen insbesondere Lohnfertiger vor große Herausforderungen. Gleichzeitig erschweren kleine Losgrößen, komplexe Bauteile und individuelle Kundenanforderungen eine konsequente Standardisierung. Wie Unternehmen diesen Zielkonflikt erfolgreich lösen und zugleich die Grundlage für eine automatisierte Fertigung schaffen können, zeigte die von ProduktionNRW organisierte Veranstaltung „Vom standardisierten Rüstprozess zur automatisierten Einzelteilfertigung“. Gastgeber war die Berghoff GmbH in Drolshagen.
Nach der Begrüßung und der Unternehmensvorstellung durch Ullrich Berghoff stand zunächst das Thema Rüsten bei Berghoff im Mittelpunkt. Andy Schmidt-Wohlrab erläuterte die Ausgangssituation des Unternehmens: Komplexe Bauteile, kleine Losgrößen und hohe Anforderungen an Qualität und Präzision führten trotz bereits vorhandener Nullpunktspannsysteme zu zahlreichen Umspannvorgängen und individuellen Sonderlösungen. Bei einzelnen Bauteilen waren bis zu 22 Spannungen erforderlich, verbunden mit hohem Rüstaufwand und entsprechenden Kosten.
Anschließend stellte er den Entscheidungsprozess zur Einführung eines neuen Spannkonzepts vor. Ziel war es, die Vielzahl individueller Vorrichtungen zu reduzieren, die vorhandenen Rasterplatten weiterhin zu nutzen und zugleich die notwendige Flexibilität für die Einzelteilfertigung zu erhalten. Ausschlaggebend für die Umsetzung war die Möglichkeit, Standardisierung, spannungsarmes Spannen und eine einfache Einbindung in die CAM-Prozesse miteinander zu verbinden.
Im zweiten Vortragsteil präsentierten Andy Schmidt-Wohlrab und Igor Kudraschow von FCS System S.r.l. die Umsetzung und die ersten Ergebnisse. Anhand eines Pilotprojekts wurde gezeigt, wie mithilfe standardisierter Spannsysteme ein deutlich effizienterer Rüstprozess geschaffen werden konnte. Aus dem erfolgreichen Pilotprojekt entwickelte Berghoff schrittweise einen systematischen Ansatz, um Anwendungen weiter zu standardisieren und Einmalkosten zu reduzieren.
Während der anschließenden Werksführung hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, die vorgestellten Lösungen direkt in der Fertigung zu besichtigen und mit den Verantwortlichen über praktische Erfahrungen zu diskutieren.
Am Nachmittag zeigte Ricardo Vieweg von Tebis Consulting, wie die Standardisierung von Werkzeugen, Spannmitteln und Prozessen die Grundlage für eine weitergehende Automatisierung schafft. Dabei wurde deutlich, dass Automatisierung nicht erst bei Robotern beginnt, sondern bei stabilen und beherrschten Prozessen. Im anschließenden Workshop diskutierten die Teilnehmenden ihre eigenen Herausforderungen und tauschten Erfahrungen zur Standardisierung, Digitalisierung und Automatisierung in der Einzelteilfertigung aus.
So entwickelte sich die Veranstaltung zu einem praxisnahen Erfahrungsaustausch über die Frage, wie Unternehmen durch standardisierte Rüstprozesse ihre Produktivität steigern und zugleich die Voraussetzungen für eine automatisierte Fertigung schaffen können. Die vorgestellten Beispiele machten deutlich, dass der Weg zur Automatisierung mit klaren Standards und durchgängigen Prozessen beginnt.
Die Veranstalter und Teilnehmenden bedanken sich bei der Berghoff GmbH für die Gastfreundschaft sowie bei den Referenten für die offenen Einblicke in die Praxis und freuen sich auf weitere Veranstaltungen im Netzwerk von ProduktionNRW.
Veranstalter
Die Veranstaltung wurde von ProduktionNRW angeboten. ProduktionNRW ist das Cluster für Maschinenbau und Produktionstechnik in Nordrhein-Westfalen und wird vom VDMA NRW durchgeführt. ProduktionNRW versteht sich als Plattform, um Unternehmen, Institutionen und Netzwerke untereinander sowie entlang der Wertschöpfungskette zu vernetzen, zu informieren und zu vermarkten. Wesentliche Teile der von ProduktionNRW erbrachten Leistungen werden aus Mitteln des Ministeriums für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

