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Chancen der Circular Economy für den Maschinen- und Anlagenbau

Aktuelle Herausforderungen wie der Klimawandel, die Automatisierung und die Digitalisierung erfordern eine grundlegende Transformation unserer Gesellschaft und Wirtschaft. Der Maschinen- und Anlagenbau spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Um die Lösungsansätze aus Nordrhein-Westfalen sichtbar zu machen, etabliert ProduktionNRW die Veranstaltungsreihe „Enabler und Vorreiter: Maschinenbau gestaltet die Transformation“.

Enabler und Vorreiter: Circular Economy im Maschinenbau

Am 5. Juni 2024 fand bei WILO SE in Dortmund die Auftaktveranstaltung „Enabler und Vorreiter: Circular Economy im Maschinenbau“ statt. Zur Eröffnung der Veranstaltungsreihe hielten Silke Krebs, Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, Georg Weber, Chief Technology Officer bei WILO SE, und Wolf D. Meier-Scheuven, Clustersprecher ProduktionNRW, Grußworte und unterstrichen die Bedeutung der Veranstaltungsreihe. Im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung standen ausgewählte Geschäftsmodelle der Circular Economy, auch bekannt als Kreislaufwirtschaft.

Maschinenbau als Enabler der Transformation

Christian Böllhoff, geschäftsführender Gesellschafter der Prognos AG, ging auf die verschiedenen Formen der Transformation für Gesellschaft und Industrie ein. Er stellte dar, dass multiple, interagierende Transformationsthemen zunehmen und Innovationszyklen unter anderem durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz beschleunigt werden. Produzierende Unternehmen benötigen daher mehr Agilität, um passend auf die Transformationen reagieren zu können.

Obwohl der Maschinen- und Anlagenbau weltweit führend ist, sinkt der Vorsprung – insbesondere der Forschungsstandort Deutschland verliert an Bedeutung, wodurch die Innovationskraft beeinträchtigt wird. Dennoch kann der Maschinen- und Anlagenbau in zahlreichen Bereichen als Enabler unterschiedlicher Transformationsthemen fungieren, wie Industrie 4.0, energieeffiziente Produktionsprozesse und Circular Economy. Gerade die Circular Economy bietet großes Potenzial, da Veränderungsdruck stets Innovationen gefördert hat.

Circular Economy: Potenziale, Status Quo und Transformation

Prof. Dr. Henning Wilts, Abteilungsleiter Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie gGmbH, erläuterte anschließend die Bedeutung der Circular Economy für den Maschinen- und Anlagenbau.

Ziel der Circular Economy ist es, den Wert und Nutzen von Rohstoffen und Produkten möglichst lange zu erhalten. Dadurch lässt sich die Verwendung neuer Rohstoffe und die Erzeugung von Emissionen minimieren. Gerade für den Maschinen- und Anlagenbau bietet die zirkuläre Transformation bedeutende Potenziale: Kernkonzepte der Circular Economy, etwa eine hohe Produktqualität, dienstleistungsorientierte Angebote und lange Produktlebensdauer, sind bereits wichtige Faktoren in der Branche.

Zusätzlich stellt die Branche wichtige Technologien für die Transformation in anderen Wirtschaftszweigen zur Verfügung, wodurch ihr eine bedeutende Enabler-Rolle zukommt. Um neue zirkuläre Geschäftsmodelle zu identifizieren, beschreibt das sogenannte 10-R-Konzept konkrete Strategien zur Kreislaufführung und Ressourceneffizienzsteigerung.

Praxisbeispiele zur Circular Economy im Maschinen- und Anlagenbau

Thomas Fetting, Group Director Analysis, Repair & Recycling bei der WILO SE, betonte zunächst. dass die WILO SE unter anderem aufgrund der Exportabhängigkeit von seltenen Erden zirkuläre Geschäftsmodelle identifiziert hat. Um einen weiteren Zugang zu seltenen Erden zu erhalten, hat die WILO SE ein Rückholsystem für die eigenen Produkte mit Handwerkern und Großhändlern ausgearbeitet. Demnach werden die ausgebauten Altpumpen gemeldet, um diese dann eigenständig zurückzuholen und zu recyceln – ein Geschäftsmodell mit erheblichen Erlösen, Einsparungen und Umsätzen für die WILO SE.

Lena Naumann, Leiterin Geschäftsbereich chainge bei der igus GmbH, erläuterte zunächst, dass igus als Kunststoff verarbeitendes und produzierendes Unternehmen viel daran liegt, einen bestmöglichen Beitrag zur nachhaltigen Nutzung und ressourcenschonenden Anwendung von Kunststoff zu leisten. Um diesem Ansatz gerecht zu werden, hat igus unter anderem chainge etabliert. Chainge dient dabei als digitale Plattform, um das Recycling von technischen und Industrie-Kunststoffen besonders einfach zu gestalten. Neben dem Recycling von technischen Kunststoffen, ist auch der Ein- und Verkauf von Rezyklaten möglich. Über diese Plattform nutzt igus ebenfalls Rezyklate für die eigene Produktion und konnte damit beispielsweise die CO2-Emmissionen erheblich reduzieren.

Maik Krüger, Head of Business Development bei der Kampf GmbH, stieg mit dem Wertverlust von Kunststoffabfällen ein. Diese Abfälle verlieren vor allem deswegen an Wert, weil notwendige Informationen für die Aufbereitung fehlen. Gerade die Datenbereitstellung entlang des Produktlebenszyklus ist der Schlüssel zur Circular Economy. Um diese Transparenz zu erzielen, wurde R-Cycle von unterschiedlichen Partnern entlang der Wertschöpfungskette etabliert. R-Cycle fungiert dabei als digitaler Produktpass, um Recycling-, Produkt- und Prozessdaten abzubilden. Kampf nutzt R-Cycle für die Herstellung der eigenen Folien: Durch die zusätzlichen Informationen wird beispielsweise die Qualität der eigenen Produkte gesichert.

Podiumsdiskussion: Geschäftsmodelle der zirkulären Transformation

In der Abschlussrunde diskutierten Dr. Kirsten Bender, Abteilungsleitung, Ministerium für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen, Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Boos, Geschäftsführer FIR e.V. an der RWTH Aachen und Thomas Fetting über die Herausforderungen und Chancen der zirkulären Transformation.

Dabei betonte Dr. Kirsten Bender die politischen Aktivitäten auf Landesebene, wie die Entwicklung eines neuen NRW-Kreislaufwirtschaftsgesetzes, um den Wirtschaftsstandort NRW zu stärken. Prof. Wolfgang Boos hingegen stellte den eigenen Forschungsansatz einer wertsteigernden Kreislaufwirtschaft anhand ausgewählter Beispiele vor. Dieser Ansatz ist notwendig, um einen Mehrwert durch Zirkularität zu erzielen.

Thomas Fetting motivierte abschließend die anwesenden Unternehmensvertreterinnen und -vertreter, die noch keine zirkulären Geschäftsmodelle identifiziert haben, zunächst greifbare Chancen wie etwa die Vorteile einer Rohstoffunabhängigkeit im eigenen Haus zu identifizieren – diese sorgen für einen Aha-Effekt und erleichtern den Einstieg in die Zirkularität.

Ausblick

In der Auftaktveranstaltung wurden die Potenziale neuer Geschäftsmodelle der Circular Economy für den Maschinen- und Anlagenbau hervorgehoben. Dadurch sollen unter anderem auch andere Maschinenbau-Unternehmen, die bisher keine Geschäftsmodelle der Transformation identifiziert haben, für die Dringlichkeit und Lösung der Herausforderungen sensibilisiert werden.

Um die vielfältigen, miteinander verbundenen Transformationsthemen umfassend abzudecken, werden in der Veranstaltungsreihe „Enabler und Vorreiter: Maschinenbau gestaltet die Transformation“ weitere Themen wie Carbon Management, Wasserstoff, Energieeffizienz und die Rolle der Digitalisierung behandelt.

Ziel der Reihe ist es, Unternehmen aus dem nordrhein-westfälischen Maschinen- und Anlagenbau mit ihren Lösungen und Geschäftsmodellen als Schlüsselbranche unterschiedlicher Transformationsbereiche zu positionieren. Zudem werden andere Maschinenbau-Unternehmen und weitere Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette dazu bewegt, Chancen der Transformation für das eigene Geschäftsmodell zu antizipieren.

Veranstalter

Die Veranstaltungsreihe wird vom ProduktionNRW angeboten. ProduktionNRW ist das Cluster des Maschinenbaus und der Produktionstechnik in Nordrhein-Westfalen und wird vom VDMA NRW durchgeführt. ProduktionNRW versteht sich als Plattform, um Unternehmen, Institutionen und Netzwerke untereinander und entlang der Wertschöpfungskette zu vernetzen, zu informieren und zu vermarkten. Wesentliche Teile der Leistungen, die ProduktionNRW erbringt, werden aus Mitteln des Ministeriums für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

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