Der regulatorische Druck auf PFAS wächst in Europa und den USA. Der VDMA-Web-Erfahrungsaustausch beleuchtete die aktuellen EU-Beschränkungen sowie neue Berichts-, Kennzeichnungs- und Zulassungspflichten in mehreren US-Bundesstaaten.
Die Regulierung von PFAS entwickelt sich weltweit mit hoher Dynamik und stellt insbesondere Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus vor erhebliche Herausforderungen. Vor diesem Hintergrund veranstalteten ProduktionNRW und VDMA Nord den Online-Erfahrungsaustausch „Update zu PFAS-Entwicklungen in der EU und in den USA“. Ziel der Veranstaltung war es, Unternehmen über aktuelle regulatorische Entwicklungen zu informieren und ihnen praktische Hinweise zum Umgang mit den neuen Anforderungen zu geben.
Nach der Begrüßung wurden zunächst die Ergebnisse einer Vorabumfrage unter den Teilnehmenden vorgestellt. Dabei zeigte sich, dass viele Unternehmen PFAS vor allem in Komponenten wie Dichtungen, Verbindungselementen oder Gleitsystemen vermuten und bereits Lieferantenabfragen durchführen. Gleichzeitig besteht bei zahlreichen Unternehmen noch Unsicherheit hinsichtlich der vollständigen Erfassung PFAS-haltiger Produkte und Materialien.
Im ersten Fachvortrag gab Svenja Heinrich von VDMA Umwelt und Nachhaltigkeit einen Überblick über den aktuellen Stand des PFAS-Beschränkungsvorhabens in der EU. Im Fokus standen die laufenden regulatorischen Verfahren, deren Bedeutung für die Industrie sowie mögliche Auswirkungen auf Produkte, Lieferketten und Innovationsprozesse im Maschinen- und Anlagenbau. Die Referentin erläuterte aktuelle Entwicklungen auf europäischer Ebene und ging auf die Herausforderungen ein, die sich für Unternehmen aus der zukünftigen Ausgestaltung der PFAS-Regulierung ergeben können.
Anschließend stellte Alena Knauz von VDMA Umwelt und Nachhaltigkeit die aktuellen Entwicklungen der PFAS-Regulierung in den USA vor. Ein Schwerpunkt lag auf den Melde- und Aufbewahrungspflichten nach Section 8(a)(7) des Toxic Substances Control Act (TSCA). Dabei wurden die betroffenen Unternehmen, die mehrfach verschobenen Meldefristen sowie die von der US-Umweltbehörde EPA geplanten Anpassungen der Berichtspflichten erläutert. Besonderes Interesse galt den vorgeschlagenen Ausnahmen für importierte Artikel, Nebenprodukte und bestimmte Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten.
Darüber hinaus berichtete die Referentin über die zunehmende Bedeutung der Gesetze einzelner Bundesstaaten. Am Beispiel von Minnesota wurden die dortigen PFAS-Berichtspflichten vorgestellt, die Hersteller dazu verpflichten, PFAS-haltige Produkte über das elektronische System PRISM zu melden. Die Teilnehmenden erhielten Einblicke in den Stand der Umsetzung sowie in die Anforderungen an die Berichterstattung und Dokumentation und in mögliche Ausnahmeregelungen für sogenannte „Currently Unavoidable Uses“ (CUU).
Ein weiterer Schwerpunkt war die neue PFAS-Regulierung des Bundesstaates New Mexico. Vorgestellt wurden die umfangreichen Anforderungen an die Berichterstattung und Kennzeichnung sowie mögliche Ausnahmeregelungen für Produkte mit absichtlich zugesetzten PFAS. Besondere Aufmerksamkeit erhielten die Kennzeichnungspflichten für sogenannte „complex durable goods“, zu denen zahlreiche Maschinen und technische Anlagen zählen können. Zudem wurden die Voraussetzungen für CUU-Anträge sowie mögliche Sanktionen bei Verstößen gegen Kennzeichnungs- oder Meldepflichten erläutert.
Abgerundet wurde der Vortrag durch einen Überblick über weitere regulatorische Entwicklungen in Bundesstaaten wie Maine sowie über die unterschiedlichen Zeitpläne für künftige PFAS-Beschränkungen in den USA. Es wurde deutlich, dass Unternehmen ihre Produkte, Lieferketten und Berichtssysteme zunehmend an ein komplexes und föderal geprägtes Regulierungsumfeld anpassen müssen.
In der anschließenden Diskussion beantworteten die Referentinnen zahlreiche Fragen der Teilnehmenden zu Berichtspflichten, Produktausnahmen, Kennzeichnungsvorgaben und den praktischen Auswirkungen der US-amerikanischen und europäischen PFAS-Regulierungen. Der Erfahrungsaustausch machte deutlich, dass ein frühzeitiger Überblick über die verwendeten PFAS, eine enge Zusammenarbeit mit Lieferanten und die kontinuierliche Beobachtung regulatorischer Entwicklungen entscheidend sind, um künftige Anforderungen erfolgreich zu erfüllen.
Veranstalter
Die Veranstaltung wurde von ProduktionNRW und VDMA Nord angeboten. ProduktionNRW ist das Cluster des Maschinenbaus und der Produktionstechnik in Nordrhein-Westfalen und wird vom VDMA NRW durchgeführt. ProduktionNRW versteht sich als Plattform, um Unternehmen, Institutionen und Netzwerke untereinander sowie entlang der Wertschöpfungskette zu vernetzen, zu informieren und zu vermarkten. Wesentliche Teile der von ProduktionNRW erbrachten Leistungen werden aus Mitteln des Ministeriums für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.

