Fachkräftemangel, Wissensverlust und Datenflut: Die Veranstaltung zeigte, wie Unternehmen pragmatisch ins Wissensmanagement starten – und mit KI Wissen effizient sichern und nutzbar machen.
In vielen Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus zeigen sich derzeit ähnliche Herausforderungen: Fachkräftemangel, eine alternde Belegschaft sowie eine stetig wachsende Informationsflut. Gleichzeitig bleibt wertvolles Erfahrungswissen häufig in den Köpfen der Mitarbeitenden und wird nur unzureichend dokumentiert. Hinzu kommen heterogene Systemlandschaften und isolierte Datensilos, die den Zugriff auf relevantes Wissen erschweren. Ohne ein strukturiertes Wissensmanagement lassen sich diese Themen kaum nachhaltig lösen – zugleich erscheint der Einstieg vielen Unternehmen komplex und ressourcenintensiv. Genau hier setzte die ProduktionNRW-Veranstaltung am 16. Juni 2026 an und zeigte praxisnah, wie ein erfolgreicher Einstieg gelingen kann.
Die Wissensdatenbank
Thomas Riegler, Referent bei VDMA Software & Digitalisierung, beleuchtete die Grundlagen eines pragmatischen Wissensmanagements. Deutlich wurde, dass steigende Produktkomplexität, individuelle Kundenanforderungen und zunehmender Wettbewerbsdruck neue Anforderungen an den Umgang mit Wissen stellen. Gleichzeitig wird die Ressource „Mitarbeiter“ knapper, wodurch die systematische Sicherung und Nutzung von Wissen weiter an Bedeutung gewinnt.
Eine zentrale Herausforderung liegt in der Vielzahl verteilter Datenquellen – von ERP- und CRM-Systemen über technische Dokumentationen bis hin zu unstrukturierten Informationen und implizitem Wissen in den Köpfen der Beschäftigten. Die Folge: Mitarbeitende verbringen viel Zeit mit der Informationssuche, während vorhandenes Wissen nicht effizient genutzt wird.
Vor diesem Hintergrund wurde die Bedeutung eines systematischen Wissensmanagements hervorgehoben, insbesondere im Hinblick auf den demografischen Wandel. Methoden wie strukturierte Interviews, Expertengespräche oder Storytelling helfen dabei, kritisches Erfahrungswissen gezielt zu sichern. Gleichzeitig wurde eine konkrete Vorgehensweise für den Aufbau einer Wissensdatenbank aufgezeigt – von der Sensibilisierung der Geschäftsführung über die Analyse des Status quo und die Definition von Zielen bis hin zu Pilotprojekten und Rollout. Erfolgsentscheidend sind dabei vor allem die Einbindung der relevanten Nutzergruppen, klare Regeln für Struktur und Ablage sowie eine kontinuierliche Pflege der Inhalte. Perspektivisch wird Wissensmanagement zudem zunehmend durch Künstliche Intelligenz unterstützt, etwa bei der Fehlersuche oder durch Assistenzsysteme im Service.
Wissensmanagement neu gedacht: Wie KI die Wissensmodellierung im Unternehmen vereinfacht
Anschließend zeigte Dr. Achim Steinacker, Principal Consultant bei Empolis Information Management GmbH, wie Wissensmanagement durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz neu gedacht werden kann. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass viele Unternehmen bereits versuchen, Self-Service-Angebote oder KI-Anwendungen einzuführen – diese jedoch häufig an unzureichender Datenqualität und mangelhaft aufbereitetem Wissen scheitern.
Der zentrale Ansatz liegt daher nicht allein im besseren Zugriff auf Wissen, sondern vor allem in dessen strukturierter Erzeugung und Aufbereitung. Im Fokus steht die intelligente Erschließung von Wissen aus unterschiedlichen Quellen wie Tickets, E-Mails oder technischen Dokumentationen.
KI-basierte Lösungen ermöglichen es, dieses bislang unstrukturierte Wissen automatisiert zu identifizieren, aufzubereiten und in eine konsistente Wissensbasis zu überführen. So können beispielsweise Wissensartikel automatisch erstellt, Serviceprozesse durch strukturierte Checklisten unterstützt oder Zusammenhänge in sogenannten Knowledge Graphen abgebildet werden. Dadurch wird die Wissensdokumentation deutlich effizienter und lässt sich nahtlos in bestehende Arbeitsprozesse integrieren.
Erfahrungsaustausch und Diskussion
In der abschließenden Diskussion wurde deutlich: Wissensmanagement ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Während klassische Ansätze vor allem auf Strukturen, Prozesse und Organisation abzielen, eröffnet der gezielte Einsatz von Künstlicher Intelligenz neue Möglichkeiten, Wissen automatisiert zu erschließen, aktuell zu halten und bedarfsgerecht bereitzustellen.
Entscheidend bleibt jedoch die Qualität der zugrunde liegenden Daten sowie die konsequente Integration in die täglichen Arbeitsabläufe. Die Veranstaltung machte deutlich, dass Unternehmen sowohl pragmatisch starten als auch langfristig von einem systematischen und zunehmend KI-gestützten Wissensmanagement profitieren können.
Veranstalter
Die Veranstaltung wird von ProduktionNRW und dem Landesverband Nord angeboten. ProduktionNRW ist das Cluster des Maschinenbaus und der Produktionstechnik in Nordrhein-Westfalen und wird vom VDMA NRW durchgeführt. ProduktionNRW versteht sich als Plattform, um Unternehmen, Institutionen und Netzwerke untereinander und entlang der Wertschöpfungskette zu vernetzen, zu informieren und zu vermarkten. Wesentliche Teile der Leistungen, die ProduktionNRW erbringt, werden aus Mitteln des Ministeriums für Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen gefördert.
